Zeit von 1933 - 1945

Die Machtübernahme im Jahre 1933 durch die NSDAP blieb nicht ohne Auswirkung auf das Vereinsleben. Entsprechend der Neuordnung im politischen Raum mußte auch für die Turnvereine und Verbände das Führerprinzip eingeführt werden. In Auswirkung der Beschlüsse des Vorstandes der Deutschen Turnerschaft wählte die Mitgliederversammlung am 7. Mai 1933 den bisherigen 1. Vereinsvorsitzenden Fritz Graf zum Vereinsführer. Dieser übernahm sämtliche Rechte des Vorstandes, des Turnrates und der Mitgliederversammlung.

Höhepunkt des Jahres 1935 war das 70-jährige Vereinsjubiläum im Juli. Am 13. und 14. Juli wurde im Ratinger Stadion das von allen Vereinen sehr gut beschickte Kreisturnfest durchgeführt. Die Ratinger Bürgerschaft zeigte durch die Beflaggung und Ausschmückung ihrer Häuser ihre gute Verbundenheit mit den Turnern. Trotz der Belastung der Mitglieder mit organisatorischen Arbeiten für die Durchführung des Festes nahm eine überaus große Anzahl von Turnern und Turnerinnen an den Wettkämpfen mit Erfolg teil. Ein glanzvoller Festzug zog durch die überfüllten Straßen der Stadt. Am Abend war eine Jubiläumsfeier im Saale von Strucksberg.

Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg. Die Wirren dieses Krieges wirkten sich auf das Vereinsleben aus. Durch die Verdunkelung der Turnhallen, Fliegeralarme u. dgl. wurde die Durchführung der Übungsstunden sehr gestört. Bis 1941 ging die Zahl der Spielmannschaften durch die Einberufung weiter zurück. Nach 1942 kam die Tätigkeit des Vereins immer mehr zum Erliegen. Im 2. Halbjahr 1943 war es soweit, daß jede turnerische und sportliche Betätigung unmöglich wurde. In diesen schweren Jahren ist die Vereinsführung mit Fritz Graf und Bruno Wassenberg die Gleiche geblieben. Diesen beiden Turnern ist es zu verdanken, daß der Verein auch noch am bitteren Kriegsende bestand. Am 31. Juli 1944 tagte der Vereinsführerring gemeinsam mit dem Ältestensrat letztmalig.

Der 22. März 1945 war für die Stadt Ratingen ein schicksalhafter Tag. Bei einem Luftangriff in der Mittagsstunde wurde ein Drittel der Stadt zerstört oder schwer beschädigt. Rund 3.000 Menschen waren obdachlos geworden. 97 Bürger mußten ihr Leben lassen.

Auch das Vereinslokal Strucksberg in der Oberstraße wurde völlig zerstört. Im Fahnenschrank befanden sich die Traditionsfahne aus dem Jahre 1905, die Vereinsfahne von 1881 (1919 umgearbeitet), zahlreiche Erinnerungsbänder von Turnfesten, Wanderbanner usw. Alles wurde durch Brand vernichtet. Auch die Gedenktafel mit den Namen der im Kriege 1914 - 1918 gefallenen Turner, die Gründungsurkunde aus dem Jahre 1865 und sonstige wichtige Unterlagen wurden ein Opfer der Flammen. Ein schmerzlicher Verlust für den Verein.


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